
…der hat was zu erzählen. Seit einem halben Jahr kommen wir nun mindestens zwei Mal am Tag (zur Arbeit und nach Hause) in den manchmal zweifelhaften Genuss des öffentlichen Nahverkehrs in Toronto. Am häufigsten fahren wir mit den bereits erwähnten Streetcars. Oder warten darauf. Es passiert leider regelmäßig, dass 15 bis 20 Minuten gar kein Streetcar kommt und dafür dann nach dem ersten noch vier weitere aufgereiht sind. Zu den Stoßzeiten sind die Bahnen zudem chronisch überfüllt, manchmal ist der Schoß des Fahrers der einzige Platz, der nicht ausgenutzt ist.
Die gesamte Streetcar-Flotte ist ungefähr 30 Jahre alt, was man deutlich an einigen netten Details merkt. Möchte man an der nächsten Station aussteigen, muss man an den über den Fenstern angebrachten „Wäscheleinen“ ziehen, um das dem Fahrer mitzuteilen. Dabei quietscht es meistens sehr charakteristisch. Die Bremsen benötigen feinen Sand, der in Behältern unter den Sitzen im vorderen Bereich gelagert wird – oder, wenn diese zu voll sind, als Haufen auf dem Fußboden. Und wir hatten uns im Sommer noch gewundert, wie so viele Leute den Sand vom Strand in ihren Schuhen mitgebracht haben können.
Ab und zu kommt es vor, dass der Kontakt zur Oberleitung verloren geht. Dann muss der Fahrer aussteigen, hinten am Streetcar irgendwas rumkurbeln und weiter geht’s. Bei vereisten Oberleitungen, im Winter nicht gerade selten, hilft aber auch das nicht. Dann gibt es einen großen Streetcar-Stau, bis das erste abgeschleppt bzw. angeschoben werden kann. Die Weichen sind eine weitere Schwachstelle. An jeder Abzweigung ist größte Vorsicht geboten, damit die Räder nicht in die falsche Spur geraten. Auch hier ist manchmal der Fahrer gefragt. Mit einer eigens dafür vorgesehenen Eisenstange bewaffnet muss er die Weiche stellen, bevor er weiterfahren kann.
Sehr interessant ist, dass die Fahrer die Haltestellen persönlich ansagen, oder auch nicht – je nach Uhrzeit und Laune. Meistens kommt man jedoch in den Genuss dieser individuellen Ansagen, die exakt Aufschluss über den Gemütszustand des Fahrers geben. Manche Fahrer erkennen wir schon an ihren Ansagen. Das Spektrum reicht von „Temperament einer Schlaftablette“ und „Nuschelkönig“ über gesungene Ansagen bis hin zu Fahrern mit wahren Entertainerqualitäten, die die reinsten Witzkanonen und gleichzeitig Stadtführer sind.
Und nun noch ein unappetitliches Detail, das wir leider auch am eigenen Leib erfahren mussten: Wenn sich jemand in einem Streetcar übergibt, ist der Fahrer gezwungen, das Streetcar zu räumen und aus dem Betrieb zu nehmen. Sehr ärgerlich, vor allem mitten in der Nacht am Wochenende.
Montag, April 16, 2007 um 10:35
Oh, Mann! Ich habe deinen Geburtstag vergessen! Ich schaeme mich auch schon. Also herzlichen Glueckwunsch noch mal nachtraeglich!!!
Wo, zum Teufel ist denn eigentlich deine Privatemailadresse abgeblieben?? Kannst du die noch mal hergeben?
Ich hoffe, ihr seid gut in Deutschland angekommen. Und alles ist in Ordnung. Heute haben wir deine Kekse im Buero gemampft. Waren lecker und wir haben auch an dich gedacht!
Ok, melde dich bald, erzaehl von deinem hochbezahlten Job und wie es euch geht! Liebe Gruesse aus Toronto!
Rabea