Lass laufen, Kumpel

Dienstag, Juni 19, 2007 von Pascal

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Auch wenn wir inzwischen nicht mehr in Kanada sind: Eine Sache müssen wir unbedingt noch loswerden, die uns schon lange unter den Nägeln gebrannt hat und über die wir von Anfang an nur den Kopf schütteln konnten.

 

Toronto Downtown: Ein Polizeiauto hält an, der Fahrer steigt aus, geht über die Straße zum nächsten Coffee-Shop und kauft sich einen Kaffee, während sein Kollege im Auto wartet. Das Ganze dauert ungefähr vier Minuten. Während dieser Zeit läuft selbstverständlich der Motor. (siehe Foto)

 

Ein einsamer Nationalpark im Norden Quebecs: Ein Paar macht eine Pause, fährt dann mit dem Auto vom Picknick-Tisch 30 Meter zur Toilette. Beide gehen nacheinander aufs Klo und lassen den Motor währenddessen natürlich laufen. Danach entscheiden sie sich, mit der Kamera die schöne Natur am See zu fotografieren und die saubere Luft zu genießen. Die 30 Meter bis zum Seeufer werden selbstverständlich mit dem Auto zurückgelegt. Und der Motor läuft und läuft.

 

Zwei Beispiele, die zeigen, was wir hier tagtäglich beobachten konnten. Wann immer man mit dem Auto hält, um einen Kaffee zu kaufen, im Supermarkt einkaufen zu gehen oder mit dem Nachbarn zu erzählen; der Motor bleibt an und niemanden stört es. Die durchschnittliche Mindestdauer, um den Motor doch mal auszuschalten, liegt bei geschätzten 15 Minuten. Erst ganz langsam kommt man hier zu der Einsicht, dass es bereits ab 30 Sekunden Standzeit Benzin sparender ist, den Motor auszuschalten.

 

Die Preise an den Tankstellen sind wohl trotz deutlicher Steigerungen immer noch zu niedrig. 20 Minuten im Supermarkt? Der Motor läuft natürlich, denn schließlich sitzen die Kinder noch im Auto. Aber auch ganz leere Autos stehen überall mit blubbernden Sechs- bis Achtzylindermotoren herum. Oft gesehen auch die kilometerlangen Schlangen an den Drive-Thru-Schaltern natürlich mit laufenden Motoren. Dabei ist das Restaurant so gut wie leer, aber im Auto schmeckt es ja immer noch am besten!

 

Auf manchen Highways gibt es spezielle Express-Spuren für Autos mit zwei oder mehr Insassen. So kann man zu zweit ganz elegant am Stau vorbeifahren, denn in den meisten Riesenschiffen sitzen tatsächlich nur die Fahrer. In Deutschland würden solche Spuren wohl kaum Sinn machen.

 

Und noch ein nettes Detail zum Schluss: Bei manchen Autos lässt sich der Motor per Fernbedienung starten. So muss man noch nicht mal das Haus verlassen, während sich der riesige Motor warmtuckert.

Abschlussfahrt

Mittwoch, April 18, 2007 von Pascal

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Die letzten Tage in Kanada haben wir urlaubend verbracht. Wir haben Janas Eltern Toronto gezeigt, sind an die Georgian Bay nach Honey Harbour gefahren und von dort in den Algonquin-Nationalpark. Das Wetter hätte besser sein können, die Landschaft war noch etwas farblos, aber dafür waren wir überall fast die einzigen. Nach 2 Wandertagen im Schnee und dem Besuch einer Ahornfarm standen Ottawa und Montréal auf dem Programm. Und auf dem Rückweg hielten wir an den Thousand Islands und den Niagarafällen.

Wer täglich mit dem Streetcar fährt…

Donnerstag, April 5, 2007 von Pascal

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…der hat was zu erzählen. Seit einem halben Jahr kommen wir nun mindestens zwei Mal am Tag (zur Arbeit und nach Hause) in den manchmal zweifelhaften Genuss des öffentlichen Nahverkehrs in Toronto. Am häufigsten fahren wir mit den bereits erwähnten Streetcars. Oder warten darauf. Es passiert leider regelmäßig, dass 15 bis 20 Minuten gar kein Streetcar kommt und dafür dann nach dem ersten noch vier weitere aufgereiht sind. Zu den Stoßzeiten sind die Bahnen zudem chronisch überfüllt, manchmal ist der Schoß des Fahrers der einzige Platz, der nicht ausgenutzt ist.

 

Die gesamte Streetcar-Flotte ist ungefähr 30 Jahre alt, was man deutlich an einigen netten Details merkt. Möchte man an der nächsten Station aussteigen, muss man an den über den Fenstern angebrachten „Wäscheleinen“ ziehen, um das dem Fahrer mitzuteilen. Dabei quietscht es meistens sehr charakteristisch. Die Bremsen benötigen feinen Sand, der in Behältern unter den Sitzen im vorderen Bereich gelagert wird – oder, wenn diese zu voll sind, als Haufen auf dem Fußboden. Und wir hatten uns im Sommer noch gewundert, wie so viele Leute den Sand vom Strand in ihren Schuhen mitgebracht haben können.

 

Ab und zu kommt es vor, dass der Kontakt zur Oberleitung verloren geht. Dann muss der Fahrer aussteigen, hinten am Streetcar irgendwas rumkurbeln und weiter geht’s. Bei vereisten Oberleitungen, im Winter nicht gerade selten, hilft aber auch das nicht. Dann gibt es einen großen Streetcar-Stau, bis das erste abgeschleppt bzw. angeschoben werden kann. Die Weichen sind eine weitere Schwachstelle. An jeder Abzweigung ist größte Vorsicht geboten, damit die Räder nicht in die falsche Spur geraten. Auch hier ist manchmal der Fahrer gefragt. Mit einer eigens dafür vorgesehenen Eisenstange bewaffnet muss er die Weiche stellen, bevor er weiterfahren kann.

 

Sehr interessant ist, dass die Fahrer die Haltestellen persönlich ansagen, oder auch nicht – je nach Uhrzeit und Laune. Meistens kommt man jedoch in den Genuss dieser individuellen Ansagen, die exakt Aufschluss über den Gemütszustand des Fahrers geben. Manche Fahrer erkennen wir schon an ihren Ansagen. Das Spektrum reicht von „Temperament einer Schlaftablette“ und „Nuschelkönig“ über gesungene Ansagen bis hin zu Fahrern mit wahren Entertainerqualitäten, die die reinsten Witzkanonen und gleichzeitig Stadtführer sind.

 

Und nun noch ein unappetitliches Detail, das wir leider auch am eigenen Leib erfahren mussten: Wenn sich jemand in einem Streetcar übergibt, ist der Fahrer gezwungen, das Streetcar zu räumen und aus dem Betrieb zu nehmen. Sehr ärgerlich, vor allem mitten in der Nacht am Wochenende.

Basketball-Glückstag

Montag, April 2, 2007 von Pascal

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Seit gestern haben wir für die letzten 12 Tage in Kanada Verstärkung von Janas Eltern, also waren wir trotz Jetlags gleich noch einmal beim Basketball. Zufällig haben wir noch zwei 160-Dollar-Tickets überlassen bekommen, so dass wir dieses Mal ganz nah am Feld sitzen konnten. Da die Raptors bei ihrem Sieg gegen die Charlotte Bobcats mehr als 100 Punkte erzielt haben, gibt es heute auch noch ein Gratis-pizza pizza-Stück pro Ticket. Das kommt uns bei unserem heutigen Stadtrundgang ganz gelegen.

Toronto Zoo

Montag, März 26, 2007 von Pascal

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Gestern haben wir es endlich auch in den Zoo von Toronto geschafft. Zusammen mit meiner Kollegin und ihrer kleinen Tochter waren wir dort vier Stunden lang unterwegs. Leider war es kälter und wolkiger als angesagt, einige Gehege waren geschlossen und andere verwaist. Trotzdem haben wir wieder einige beeindruckende Tiere gesehen und fotografiert.

STOMP

Sonntag, März 18, 2007 von Pascal

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Rhythmus, Klatschen, Steppen, Tanzen, Stampfen, Rhythmus, Grunzen, Schnaufen, Trommeln, Rascheln, Klappern, Springen, Schlagen, Schlurfen, Fegen, Rhythmus, Laufen, Lachen, Schrubben, Wischen, Comedy, Percussion, Artistik, Rhythmus, Rhythmus und noch mal Rhythmus

 

Besen, Plastiktüten, Papiertüten, Müllsäcke, Handfeger und Kehrblech, Schaumstoffrohre, Spülbecken, Töpfe, Mülltonnen mit Deckeln, Fässer, Eimer, Streichholzschachteln, Feuerzeuge, Verkehrsschilder, Autofelgen, Bambusrohre, Basketbälle, Zeitungen, Stifte, Zähne, Hände, Wasser, Sand, Sägen, Metallmaßbänder, Klappstühle, Holzkisten, Gummihandschuhe, Trinkbecher mit Strohhalmen, Wischmops

 

Das alles und noch hundert andere Dinge, mit denen 8 muskulöse Menschen 1,5 Stunden lang koordinierten Krach machen. Das Ganze im prunkvollen Elgin Theatre – unglaublich beeindruckend.

Eisskulpturen und Schneesturm

Freitag, März 2, 2007 von Pascal

Am letzten Wochenende waren wir auf dem icefest in der Innenstadt. Dort waren ein Dutzend Eiskünstler gerade damit beschäftigt, an ihren Skulpturen zu feilen, zu bohren, zu sägen und zu bügeln. Die fertigen Skulpturen stehen inzwischen wahrscheinlich schon vor dem Eingang des jeweiligen Sponsors, hauptsächlich Banken usw.

 

Gestern konnten wir dann wieder mal einen Schneesturm und die katastrophalen Folgen für den Verkehr in der Stadt genießen. Jedes Mal aufs Neue ein fast kompletter Verkehrskollaps. Zu Fuß ist man da noch am schnellsten, auch wenn man auf zugeschneiten Gehwegen stapfen muss. Nach dem Schnee kam der Eisregen, und das die ganze Nacht, was für abgebrochene Äste und viele zurzeit überflutete Straßen und U-Bahnhöfe geführt hat. Die Feuerwehr rät den Menschen, zu Hause zu bleiben. Daran können wir uns aber nicht halten.

Winterspaziergang

Sonntag, Februar 18, 2007 von Pascal

Zu den Fotos

Freier Sonntag, blauer Himmel – rein in die Klamotten und raus in die Kälte. Mit der Kamera spazieren gehen, fantastische Eiszapfenformationen an jedem dritten Haus bestaunen, ein bisschen durch die Stadt bummeln. Überprüfen, ob der Ontariosee schon zugefroren ist (ist er nicht, nur am Ufer), ein lebensmüdes Hörnchen dabei beobachten, wie es immer wieder versucht, von einem Baum auf ein Haus zu springen, leider jedes Mal abrutscht und zehn Meter in die Tiefe stürzt, um dann gleich wieder den Baum hoch zu laufen und es erneut zu versuchen (Videobeweis liegt vor). Schließlich von einem Rodelhang die Aussicht über die Stadt genießen und kurz vorm Einfrieren der Beine (wer konnte ahnen, dass trotz strahlendem Sonnenschein der eisige Wind schon wieder an der -30 Grad-Marke kratzt) nach Hause fahren. Aus dem warmen Zimmer die hauchdünne, liegende Mondsichel dabei beobachten, wie sie kaum höher als die Skyline kommt und nach einer knappen Stunde schon wieder dahinter verschwindet.

Hat geschneit, die ganze Nacht

Mittwoch, Februar 14, 2007 von Pascal

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Ungefähr 15 Zentimeter Neuschnee gab es über Nacht, dazu gefühlte -26 Grad, und es schneit immer noch. Das wurde aber auch Zeit, denn bis gestern sind in diesem Winter in Toronto nur ungefähr 20 Zentimeter gefallen. Normal sind um diese Zeit fast 80. Ich möchte nicht wissen, was gerade auf den Straßen los ist. Verglichen mit den 40 Zentimetern, die dank Lake (Ontario) Effect südwestlich von Toronto gefallen sind, und den drei Metern, die in der letzten Woche am Ostufer des Sees in den USA gefallen sind, ist das hier aber noch gar nichts.

Sortierte Stadt

Dienstag, Februar 13, 2007 von Pascal

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Toronto ist ganz praktisch eingeteilt. Für die unterschiedlichsten Zwecke gibt es ein eigenes Stadtviertel, zu erkennen an den jeweiligen Straßenschildern. Will man Klamotten kaufen, versucht man sein Glück im Fashion District. Möchte man eine Veranstaltung oder Diskothek besuchen, geht man in den Entertainment District und wenn man im Sommer an den Strand will, ist man im Beach District richtig. Dieser grenzt übrigens an den Studio District, in dem wir wohnen. Hier sind überall Filmstudios, in denen erstaunlich viele Filme gedreht werden. Die Toronto Film Studios tauchen jedenfalls öfter im Abspann bekannter Filme auf, als wir gedacht hätten.

 

Neben den nach Themen und Aktivitäten sortierten Stadtteilen gibt es noch die nach Bevölkerungsgruppen sortierten. Insgesamt fünf Chinatowns, Koreatown, Little Italy oder Greektown. Dort sind dann natürlich auch die Straßenschilder zweisprachig. Wir haben bereits angefangen, die jeweiligen Spezialitäten in den Restaurants zu probieren. Alle werden wir aber wohl nicht mehr schaffen.